"Landwirtschaft in Osteuropa bis nach Zentralasien-Entwicklungen und Einschätzungen eines deutschen Agrarberaters."

Bernd Henn in Usbekistan

Eine spannenden und ungeschminkten Blick in die Landwirtschaft , Agrarpolitik, Chancen, Risiken und Mentalität der osteuropäischen und zentralasiatischen Länder vermittelte Diplomagraringenieur Bernd Henn aus Weikersheim-Nassau .Der stellvertretende Vorsitzende des Maschinenrings zeigte aus fünfzehnjähriger Erfahrung als Berater und Entwicklungshelfer in seinem multimedialen Bericht die "Landwirtschaft in Osteuropa bis nach Zentralasien-Entwicklungen und Einschätzungen eines deutschen Agrarberaters". An konkreten Beratungsbetrieben stellte er dar, welche Schwierigkeiten etwa in Usbekistan, Russland und Rumänien beim Weg von einer planwirtschaftlichen in eine marktwirtschaftlich geprägte Landwirtschaft zu bewältigen sind. Die vorhandenen Maschinen und Stallungen sind veraltet und reparaturanfällig. Es wurden keine effizienten und umweltschonenden Anbau- und Produktionsmethoden angewendet. Der fehlende Servicebereich und unzureichende Fachkenntnisse führten zu langen Ausfallzeiten, niedrigen Erträgen und Umweltschäden. In gemeinsamen öffentlich-privaten Projekten (Bundesregierung und deutsche Firmen) werden Beratungs- , Fortbildungs- und Servicestrukturen aufgebaut, hier arbeitet er mit . Ganzheitliche Lösungen werden angestrebt, dazu gehören außer der Außenwirtschaft mit neuen Futtersorten auch optimale Haltungs- und Fütterungsbedingungen der Milchkühe. Weil es in diesen Länder auch viele Quereinsteiger gibt, sind umfassende Betriebsstrategien notwendig. Mit sogenannten Leuchtturmprojekten sollen Entwicklungen angestoßen und die Ernährungssicherheit gewährleistet werden. „Diese Beratung funktioniert nur mit privaten Betrieben, bei Staatsbetrieben läuft ohne Bestechung und Korruption nichts“ konstatierte der welterfahrene Landwirt. Die Daten und Fakten der usbekischen Landwirtschaft sind herausfordernd. Im Sommer fällt in den Monaten Mai bis Oktober bei extremer Hitze kaum Regen, das bedeutet ohne Bewässerung geht nichts. Aus Kapitalmangel wird beispielsweise im Betrieb Yulduz keine wassersparende Beregnung eingesetzt. Bei der Grundfutterproduktion ist das Management unzureichend. Der Milcherzeugerpreis halbierte sich von einst 75 Cents auf jetzt 35 Cents pro Liter. In dem Betrieb mit 330 ha Fläche mit 1500 Rindern ( 580 Milchkühe, 720 weibliches Jungvieh und 200 Mastbullen) sind 40 Mitarbeiter beschäftigt. Der Monatslohn beträgt 150 € , dazu kommen Naturalien im Wert von 25€. Mit 8,25 ha Fläche und 14,5 Milchkühe je Arbeitskraft liegt die Arbeitsproduktivität trotz jetzt moderner Technik und neuer Stallung vergleichsweise niedrig. Im Investorenprojekt „ProMilK“ wurde in den Jahren 2014-2015 für 500 Milchkühe mit modernster westlicher Technik gebaut. Wieso braucht dieser kapitalstarke Betrieb Beratung ? Hauptgrund sind die mangelnden Fachkenntnisse und Fertigkeiten der Mitarbeiter .

Dann folgte ein ernüchternder Blick nach Russland. In diesem riesigen Land ist wegen des Klimas östlich des Flusses Ob nur ein Bruchteil für eine produktive Landwirtschaft geeignet. Im Bereich um die Landeshauptstadt Moskau können bei einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 5 ° C und 680 mm Jahresniederschlag Getreide, mehrjährige Gräser, Silo- und Körnermais und Kartoffeln, Buchweizen und Erbsen angebaut werden. Der vorgestellte Betrieb Plemzawod Barybino mit 13000 ha Ackerfläche und 3900 Milchkühen erfuhr wesentliche Verbesserungen und Umstellungen. Die typische alte Milchviehanlage und sommerliche Freilandhaltung des Jungviehs und der Trockensteher wurde durch einfache Maßnahmen modernisiert. Die schlechte Siloanlage wurde umgestaltet. Im Jahre 2010 wurde für 800 Milchkühe bei Stallplatzkosten von 8600 € modernster Standard geschaffen. Weil in Russland Qualitätsmilch , wegen der westlichen Wirtschaftssanktionen, Mangelware ist, liegt der Erzeugerpreis mit 67 Cents /Liter sehr hoch . Die veraltete Futtererntetechnik wurde auch erneuert. Eine betriebseigene Häckslerkette wurde gekauft und die alte , umweltbelastende Abfuhrlogistik modernisiert. Die wenig ökologische Gülleausbringung wurde durch die jetzige Verteilung mit dem Exaktprallteller verbessert. Die umweltschonendere Variante mit der sofortigen Bodeneinbringung der Gülle kam aus ungewöhnlichen Gründen nicht in Frage. „Nur die oberflächige Gülleverteilung halte die Diebe vom Klauen der Maiskolben ab“ entschied die Betriebsleitung. Trotz weiterer Investitionsschritte im Getreidebau und den Stallungen ist im Vergleich zu bundesdeutschen Werten die Arbeitseffizienz sehr niedrig. Jeder der 500 Mitarbeiter bewältigt rechnerisch im Durchschnitt 26 ha Ackerfläche ,8 Milchkühe , 7,2 Jungvieh, 6 Mastbullen und 0,8 Mutterkühe. Im Vergleich zu Usbekistan sind Monatslöhne mit 600 € und 100 € Naturalien hoch, deshalb werden auch viele Ausländer angestellt.

Tillmann Zeller